Perathoner & Pfefferl

Anbau von Drogen - oft werden die strafrechtlichen Auswirkungen unterschätzt

Allein der Besitz von Samen stellt keinen Anbau dar! Sind die Samen aber zum Drogenanbau bestimmt, dann schon. Cannabis Samen und nötige Utensilien lassen sich zwar leicht beschaffen. Doch schon wenige Pflanzen liefern eine nicht-geringe Menge THC - und das ist strafbar!

Anbau von BetäubungsmittelpflanzeN

Unter Anbau von Betäubungsmittelpflanzen versteht man das Erzielen pflanzlichen Wachstums durch gärtnerische Bemühungen.
Die ungewollte Aussaat (wilde Aussaat) durch Vögel und Wind fällt nicht darunter, sehr wohl aber die Aussaat durch Menschen, auch wenn nach dem Ausbringen der Samen diese nur der Witterung überlassen werden.

Der Anbau ist auch bei der Aufzucht nicht  wirkstoffhaltiger Betäubungsmittelpflanzen gegeben. Allein der Besitz von Samen stellt keinen Anbau dar!! Sind die Samen aber zum Anbau bestimmt, so ist dies strafbar. Wer aus THC-freien Cannabissamen Hanfgebäck oder Schokolade oder andere Lebensmittel gewinnt macht sich nicht strafbar nach dem BtMG. Der Verkauf von Cannabissamen ist praktisch immer strafbar!! (Allein das Deklarieren als Vogelfutter mit dem Hinweis, dass der Anbau verboten ist, reicht bei Weitem nicht aus)

Betäubungsmittelpflanzen

Betäubungsmittelpflanzen sind solche, die in den Anlagen I bis III des BtMG aufgeführt sind. Es spielt keinerlei Rolle, ob ein Wirkstoffgehalt enthalten ist oder nicht.

Nachfolgende Auflistung erfolgt rein beispielshaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Folgende Betäubungsmittelpflanzen sind in den Anlagen des BtMG benannt:

 

Homegrow/ Eigenanbau

Auch kleinste "Drogenplantagen" haben strafrechliche Auswirkungen

Viele Konsumenten wollen nicht auf dem Schwarzmarkt Cannabis kaufen, sie kommen daher auf die Idee selbst daheim, im Garten, Keller oder Wohnung anzubauen. Nachdem die Utensilien, die für den Anbau von Marihuana benötigten werden, leicht durch das Internet zu bestellen sind, steigen auch die Fälle des homegrow hinsichtlich Cannabispflanzen stetig.  Es sei darauf hingewiesen, dass selbst kleinere Plantagen mit 6 Pflanzen, die zumeist in Kellern bewirtschaftet werden, praktisch immer eine nicht geringe Menge an THC liefern.

Plantagen dieser Art werden von der Polizei abgeerntet und komplett in ein Labor geschickt.  Dort werden die vollständigen Pflanzen getrocknet und gewogen. Dann wird der durchschnittliche Wirkstoffgehalt ermittelt und auf Grund des Pflanzengewichts dann das Gewicht des reinen Wirkstoffs ermittelt. Häufig ist der Wirkstoffgehalt aus den homegrow-Anlagen beachtlich gut, er liegt meiner Erfahrung nach zwischen 8 und 15%. Bei 15% Wirkstoffgehalt reichen dann schon 50 Gramm Pflanzenmasse aus, um den Tatbestand des Besitzes von BtM in nicht geringer Menge tateinheitlich mit dem Anbau von Betäubungsmitteln erfüllt. Damit ist die Mindeststrafe, die Verhängt wird 1 Jahr Freiheitsstrafe (der Strafrahmen beträgt 1-15 Jahre Freiheitsstrafe), allerdings wird man in vielen Fällen eine Bewährungsstrafe erzielen können. An eine Strafe, die nicht im polizeilichen Führungszeugnis erscheint, ist keine Gedanke mehr zu verschwenden, das ist schlicht und ergreifend undenkbar. In vielen Fällen wird man außerdem versuchen, dem "Hobbygärtner" ein gewerbsmäßiges Handel treiben nachzuweisen. Dazu wird nach entsprechenden Aufzeichnungen (über Verkäufe, Abnehmer) gesucht, zumeist auf elektronischen Medien (WhatsApp , SMS, Emails, Facebook, usw).

Nachbarn & Mitwissen

Plantagen fallen im allgemeinen durch hohe Stromkosten oder Cannabisgeruch auf. Mitbewohner, die selbst keinerlei Pflege der Pflanzen übernehmen, aber von der Aufzuchtanlage wissen, machen sich nur dann strafbar, wenn sie den Täter (auch psychisch) unterstützen (Beihilfe).

 

Auf ein Wort:

Unsere Kanzlei stellt fest, immer häufiger werden bei Onlineshops (die Aufzucht- oder Bewässerungsanlagen vertreiben) Kundendaten beschlagnahmt. Die Polizei fängt dann gegen diese Kunden an zu ermitteln oder diese aufzusuchen.

Wir weisen darauf hin, dass keinem Polizeibeamten der Zutritt zur Wohnung gewährt werden muss, wenn dieser keinen Durchsuchungsbeschluss hat oder nicht wegen Gefahr im Verzug eine Durchsuchung der Wohnung ohne Beschluss angeordnet wurde. Wenn Sie also gefragt werden, ob Sie den Polizeibeamten freiwillig in die Wohnung lassen, können Sie dies verweigern.


Ihr Rechtsanwalt Herr M. Pfefferl, Fachanwalt für Strafrecht und Verteidiger seit 1998 in Betäubungsmittelstrafsachen.